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Vorgeschichte
Der Porsche 917 nutzte ein Schlupfloch im Reglement aus, das
eigentlich nur übergangsweise weiter-hin den Einsatz schon
vorhandener hubraumstarker Sportwagen meist britischer
Kleinserienhersteller ermöglichen sollte, wie etwa den Lola
T70 mit amerikanischem V8-Motor. Analog zur Formel 1 sollten
in der Marken-Weltmeisterschaft nur mit drei Liter Hubraum
ausgestattete Sportprototypen eingesetzt werden, doch waren
diese teuer und selten. Im Jahr 1968 hebt die internationale
Motorsportbehörde FIA die Hubraumgrenze von drei auf fünf
Liter an und senkt die für die Homologation nötige
Mindeststückzahl für diese großvolumigen Sportwagen von 50
auf 25 in der Annahme, dass kein Hersteller so viele neue
Rennfahrzeuge entwickeln und vor allem bauen und verkaufen
würde.
Die hier ausgestellten Fotos und weitere
können Sie in der Grand Prix Boutique
käuflich erwerben!

Achtung: Alle Bilder
sind orig. schwarz/weiss Abzüge des offiziellen Fotografen (Lion
André de Lourmel) des Drehteams zu "Le Mans".
Alle Steve McQueen Fotos in der Grand Prix Boutique anzeigen!
Doch für die als eher sparsam bekannten Schwaben, die 1962
aus Kostengründen das gerade zu den ersten Erfolgen
gekommene F1-Engagement überraschend einstellte, ist dies
der Startschuss für die Konstruktion des Porsche 917. Auf
Basis des 908 mit Dreiliter-Achtzylinder und 258 kW (350 PS)
entsteht ein bulliges Coupé mit einem
4,5-Liter-Zwölfzylinder-Motor. Entgegen der weit
verbreiteten Meinung handelt es sich dabei nicht um einen
Boxermotor sondern um einen V12 der einen Spreizwinkel von
180° aufweist und 427 kW (580 PS) leistet. Es bleibt bei der
Porsche-typischen Luftkühlung. "Luft kann man unterwegs
nicht verlieren," begründete Ferdinand Piëch die
Entscheidung, zudem wird die Luftkühlung von VW aus
Marketinggründen verlangt. Der Enkel des Firmengründers und
spätere VW-Chef arbeitete seinerzeit als Konstrukteur bei
Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen und war treibende Kraft
hinter der Investition, die ein großes finanzielles Wagnis
für den kleinen Hersteller darstellte.
Im Frühjahr 1969 steht der 917 dann zur Überraschung der
Fachwelt auf der Genfer Automobilausstellung - und vor allem
in den geforderten 25 Exemplaren auf dem Firmenhof in
Zuffenhausen (auch wenn angeblich noch Bremsklötze aus Holz
und ähnliche Improvisationen dafür nötig waren).
Kurz- und Langheckvariante
Am Heck des 917 waren ursprünglich bewegliche Klappen
montiert, die mehr Anpressdruck auf die Hinterräder bringen
sollen. Doch 1969 werden bewegliche Spoiler durch die FIA
verboten, nachdem es in der F1 zu schweren Unfällen gekommen
war. Das langgestreckte Heck, das vor allem in Le Mans eine
hohe Endgeschwindigkeit ermöglichen soll, erweist sich
jedoch bei Testfahrten als sehr problematisch hinsichtlich
der Bodenhaftung, so dass die Werksfahrer sich weigern, den
917 bei seinem ersten Einsatz zu fahren, dem
1000-Kilometer-Rennen auf der sehr unebenen Nordschleife des
Nürburgrings. Da Porsche unbedingt die schon produzierten
Exemplare an Privatfahrer verkaufen und dafür Erfolge
vorweisen muss, werden die britischen Fahrer David Piper und
Frank Gardner engagiert, die den 917 auf den siebten Platz
steuern, während die Werksfahrer den wendigeren 908
erfolgreich bevorzugen.

917 Limited Box / 117.00 Euro
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In Le Mans gehen die 917 als Favoriten ins Rennen, jedoch
verunglückt schon in der ersten Runde einer der Kunden (John
Woolfe) mit seinem Zwölfzylinder tödlich. Die anderen 917
führen lange, können im Endeffekt u.a. wegen
Getriebeproblemen aber nicht um den Gesamtsieg kämpfen, den
nach einem spannenden Finale der ebenfalls mit 5 Litern
Hubraum ausgestattete Ford GT40 von Jacky Ickx mit einem
knappen Vorsprung vor dem Dreiliter-908 von Hans Herrmann
erringt. Noch im Jahr 1969 feiern Jo Siffert und Kurt Ahrens
beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Österreichring den ersten
Gesamtsieg des 917, als Kurzheck-Coupé. Zudem zieht Ferrari
nach, investiert den Gewinn aus dem Verkauf an FIAT
ebenfalls in die Produktion von 25 teuren Supersportwagen
und stellt den Ferrari 512 S vor, so dass Porsche nun einen
stärker motorisierten Gegner hat, dank Wasserkühlung und
Vierventiltechnik. Das Gewicht ist jedoch auch höher, da nur
ein Stahlrahmen zum Einsatz kam, während die Schwaben durch
die Teilnahme in kleinen Klassen jahrelange Erfahrung in
Sachen Leichtbau hatten und zudem auf neue Materialien und
Fertigungstechniken setzten, wie z.B. für einen mit
Pressluft auf Rissbildung zu prüfenden Aluminiumrahmen.
Erster Le Mans-Gesamtsieg für Porsche
Für die Rennsaison 1970 wird vor allem in Zusammenarbeit mit
dem Gulf-Team von John Wyer das Heck des 917 überarbeitet.
Es entstehen daraufhin zwei Heckvarianten, ein
überarbeitetes Langheck und ein keilförmiges Kurzheck mit
besserem Handling, der sogenannte 917K.
Eben mit dieser für Le Mans vermeintlich weniger geeigneten
Variante, die zudem noch nicht mit dem neuen, stärkeren
4.9-Liter-Motor ausgestattet war, schafft Porsche den bis
dato größten Erfolg der Marke beim 24-Stunden-Rennen von Le
Mans: Der in den Farben von Porsche Salzburg lackierte
rot-weiße 917 K von Hans Herrmann und Richard Attwood mit
der Startnummer 23 überquert als erster die Ziellinie. Der
917 Langheck, von Martini in blau-gelben Psychedelic-Design
lackiert, belegt mit Gérard Larrousse/Willy Kauhsen Rang
zwei. Der erste Gesamtsieg an der Sarthe für Porsche!
Auch für das Jahr 1971 wird der 917 in vielen Punkten
überarbeitet. Der 917-Motor leistet nun 442 kW (600 PS) aus
4,9-Liter Hubraum. Später kam noch eine weitere Ausbaustufe
mit Nikasil beschichteten Zylindern und des maximal
erlaubten 4,99 Litern Hubraum dazu (630 PS). Auch an der
Aerodynamik wird gefeilt, diesmal insbesondere an der Front.
Diese Maßnahmen sind nötig, da die Ferrari sich als schnell
erwiesen hatten, jedoch noch unzuverlässig und vom Pech
verfolgt waren. So eliminierte sich 1970 in Le Mans fast das
komplette Ferrari-Team durch eine Massenkarambolage bzw.
deren Spätfolgen. Der im Vergleich zum auch in offener
Bauweise eingesetzten 512 S weist der neue, modifizierte 512
M zudem starke Ähnlichkeiten mit dem 917K auf.
Im Verlauf der Saison stellte sich heraus, daß Ferrari 1971
auf Werkseinsätze verzichtete und schon den neuen
Dreiliter-312PB erprobte. Das amerikanische Penske-Team
setzt jedoch einen stark überarbeiteten, u. a. mit
Schnelltank-System ausgestatteten 512M in blauer
Sunoco-Lackierung ein, der den Porsche-Teams einiges
Kopfzerbrechen bescherte. Alfa Romeo erzielt mit dem
schnellen 33/3 Erfolge in Brands Hatch und bei der Targa
Florio. In Le Mans wiederholt Porsche seinen Erfolg vom
Vorjahr, aber zum dritten Mal reicht es für die im Training
bis zu 396 km/h schnellen Langheckversionen nicht zum Sieg,
denn der geht an den weißen Martini-Porsche 917K von Helmut
Marko und Gijs van Lennep mit der Nummer 22. Der Siegerwagen
war mit einem Rohrrahmen aus Magnesium ausgestattet, der
noch einmal einige Kilos gegenüber der Aluminiumausführung
sparte, aber auch bei einem Feuerunfall wesentlich
gefährlicher gewesen wäre.
Schweinchenrosa
1971 sind mehr als die Hälfte der gestarteten Rennfahrzeuge
in Le Mans Fahrzeuge von Porsche, inklusive der Porsche 911.
Das wohl am meisten fotografierte Fahrzeug jedoch ist die
"Sau". Seinen Spitznamen verdankt der 917/20, einem Zwitter
zwischen Kurz- und Langheckversion mit überarbeiteter
Aerodynamik und besonders breiter Karosserie, seiner rosa
Lackierung und den nach Metzgerart aufgezeichneten
Fleischpartien. Im Rennen fällt der Wagen, der das
Vorbereitunsgrennen gewonnen hatte, an aussichtsreicher
Position aus. Am Ende der Saison 1971 läuft die
Sonderregelung für 5-Liter-Sportwagen aus, die 917, Ferrari
512, Lola T70, Ford GT40 usw. dürfen ab 1972 nicht mehr in
der WM eingesetzt werden. In der Interserie sowie der CanAm
gibt es weiterhin ein Betätigungsfeld für diese Boliden.
Auch die Dreiliter-Porsche 908 werden vom Werk aufgegeben
und verkauft. Steve McQueen hat mit seinem Film Le Mans den
großen Sportwagen 917 und 512 ein Denkmal gesetzt. Der
heimliche Star des Films bzw. der Dreharbeiten war jedoch
ein offener Porsche 908/2, der im Wettbewerb mitfuhr und
trotz der aufmontierten klobigen Filmkameras und häufiger
Stopps unter den ersten 10 ins Ziel kam.
Der 917 in Nordamerika
In der populären kanadisch-amerikanischen Rennserie CanAm
findet Porsche ein neues Einsatzfeld für den 917. Mit einer
vom 917 Coupé abgeleiteten offenen Spyder-Version belegt Jo
Siffert am Ende der Saison 1969 den vierten Platz im
Gesamtklassement. Der Motor erweist sich jedoch gegen die
V8-Motoren von Chevrolet mit später bis zu 9 Litern Hubraum
und 589 kW (800 PS) als zu schwach. In Zuffenhausen wird auf
Drängen von Ferdinand Piëch, dem Vorbild der Auto-Union
seines Großvaters folgend, an einer 16-Zylinder-Variante mit
ca. 552 kW (750 PS) gearbeitet.
Doch eine neue Technik, die mit Kompressoren auch schon vor
Jahrzehnten vom Porsche-Gründer bei Mercedes-Benz und
Auto-Union verwendet wurde, entlockt noch mehr Leistung aus
dem bewährten, kompakteren Motorblock: der neue Spyder
verfügt über einen fünf Liter großen Zwölfzylinder, der von
zwei Turboladern aufgeladen wird. Die Leistung liegt auf
Anhieb über dem erwarteten Maximum des 16-Zylinder-Saugers.
Das amerikanische Penske-Team entwickelt 1971 im
Werks-Auftrag den Porsche 917/10, wobei der Fahrer und
Ingenieur Mark Donohue maßgeblichen Anteil hat. Insbesondere
das verspätete Ansprechverhalten, das den Einsatz von
Turboladern bisher nur in Vollgas-Ovalen wie Indianapolis
ratsam machte, wird für den Einsatz auf Rundstrecken
verbessert. Die resultierenden 850 bis 1000 PS (736 kW, im
Training) werden zudem von Donohue durch eine angepasste
Fahrweise besser genutzt. Der große Heckflügel und die
speziell geformte, schaufelartige Frontpartie sind auf
maximalen Abtrieb getrimmt. Dadurch verschlechtert sich der
Luftwiderstand derart, dass "nur noch" 343 km/h als
Höchstgeschwindigkeit gemessen werden.
In Jahr 1972 wird George Follmer CanAm-Meister, nachdem
Donohue verletzungbedingt ausfiel. Die bisherigen
Seriensieger von McLaren, die der CanAm den Spitznamen
"Bruce und Denny Show" eingebracht hatten, konzentrierten
sich nach dem Tod des Gründers 1970 allerdings zunehmend auf
die Formel 1.
Von Null auf 300 km/h in 11,3 Sekunden
1973 setzt auschließlich Penske den weiterentwickelten
Porsche 917/30 ein. Der Motor mit nun 5400cm³ leistet nun
unglaubliche 810 kW (1100 PS), und kurzfristig noch mehr -
auf Testständen sollen sogar 1104 kW (1500 PS) gemessen
worden sein. Dank dieser Leistung lässt sich der nur 800
Kilogramm schwere Wagen in 2,1 Sekunden von Null auf 100
km/h beschleunigen, sowie in 5,3 Sekunden von Null auf 200
km/h. 300 km/h sind nach nur 11,3 Sekunden erreicht. Der
Wagen könnte eine Höchstgeschwindigkeit von über 400 km/h
erreichen, die dank verlängerbaren Radstand zudem mit
stabileren Straßenlage nutzbar wären. Der
Kraftstoffverbrauch liegt zwischen 76 und 97 Litern auf 100
Kilometer, so daß ein Tank mit 400 Litern Fassungsvermögen
zum Einsatz kommen muss.
1973 gewinnt Porsche die CanAm-Meisterschaft erneut und
überlegener als im Vorjahr, diesmal mit Mark Donohue.
Im Jahr 1974 jedoch wird die Karriere der Turbo-917 in
Nordamerika durch Änderungen im Reglement gehemmt. Unter dem
Eindruck der Ölkrise und von grausamen Feuerunfällen wie dem
von Roger Williamson in Zandvoort 1973 wird die
Treibstoffmenge begrenzt. Zudem sollte damit der überlegene
Porsche 917/30, der die zuvor spannenden CanAm-Rennen zu
einer einseitigen Angelegenheit machte, eingebremst werden.
Tatsächlich wird der 917/30 nur noch bei einem Rennen von
Penske eingesetzt, neben diversen 917/10 in Kundenhand.
Diese werden im Gegensatz zum 917/30 auch in Europa in der
Interserie bewegt, als Turbo und als Sauger (mit runderer
Front).
Rennversionen
Der Porsche 917 wurde von 1968 bis 1971 in folgenden
Ausführungen produziert und eingesetzt:
917 Langheck (Coupé)
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4494 cm³ 12-Zylinder
Saugmotor, 427 kW/580 PS
-
4907 cm³ 12-Zylinder
Saugmotor, 442 kW/600 PS
-
Höchstgeschwindigkeit:
ca. 380 km/h
-
Hinterradantrieb
-
feststehender
Heckflügel
917 Kurzheck (Coupé)
-
4494 cm³ 12-Zylinder
Saugmotor, 427 kW/580 PS
-
Höchstgeschwindigkeit:
ca. 340 km/h
-
4907 cm³ 12-Zylinder
Saugmotor, 442 kW/600 PS
-
Höchstgeschwindigkeit:
ca. 360 km/h
-
Hinterradantrieb
-
Keilheck, senkrechte
Heckflossen (1971)
917/20 (Coupé)
-
4907 cm³ 12-Zylinder
Saugmotor, 442 kW/600 PS
-
Höchstgeschwindigkeit:
ca. 360 km/h
-
Hinterradantrieb
-
modifizierte Karosse
-
feststehender
Heckflügel
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